Die sogenannte Kosmographie des Aethicus ist ein im 7. oder 8. Jahrhundert entstandenes mittellateinisches Pseudepigraph, das den im Titel erhobenen Anspruch, eine Kosmographie zu bieten, nur eingeschränkt einlöst. Das Werk gibt vor, auf einer antiken, griechischen Vorlage zu beruhen, die von einem aus Istrien stammenden, heidnischen Philosophen skythischer Herkunft namens Aethicus verfasst worden sein soll. Diese sei, so die Angabe des Textes, vom Kirchenvater Hieronymus (348/349–420) kommentiert, paraphrasiert, teilweise übersetzt und unter dem Titel Incipit liber Ethico translato philosophico, edito oraculo Hieronymo presbytero, dilatum ex Chosmografia, id est mundi scriptura veröffentlicht worden. Aufgrund des freien und teils irreführenden Umgangs des Autors mit seinen Quellen – offenbar in dem Bestreben, Abhängigkeiten zu verschleiern – lassen sich die verwendeten Vorlagen nur in Teilen sicher identifizieren. Ebenso bleiben Identität, Herkunft und Absichten des Verfassers Gegenstand anhaltender wissenschaftlicher Diskussionen. Im Mittelpunkt des Werkes steht die Gestalt des Aethicus, der – nach Art des philostratischen Apollonios von Tyana – als weitgereister Forscher und Entdecker auftritt. Seine Reisen führen ihn durch die gesamte Oecumene: von Indien bis zu den Säulen des Herkules, von Thule über Armenien bis nach Libyen. – Mehr erfahren …