ʿAwārif al-maʿārif (arabisch عوارف المعارف ‚Gaben der Erkenntnisse‘) ist ein umfas­sendes Hand­buch zur Sufik und zugleich das bedeu­tendste Werk des schafiitischen Rechts­gelehrten und Sufis Schihāb ad-Dīn Abū Hafs ʿUmar as-Suhrawardī (1145–1234), der die Unter­stützung des abbasi­dischen Kalifen an-Nāsir li-Dīn Allāh (reg. 1180–1225) genoss. As-Suhra­wardī hat das Werk vor 1206 verfasst und ab dieser Zeit als Lehr­buch in seinem Schüler­kreis verwendet. Obwohl der Autor sehr stark auf frühere sufische Texte zurück­greift, ist ʿAwārif al-maʿārif ein originelles Werk, das seinen Gegen­stand in einer noch nie dage­wesenen Art definiert und syste­matisiert. Das Buch, das aus einer kurzen Vorrede und 63 Kapiteln besteht, behandelt zunächst das Wesen des Sufitums an sich und seine Bezie­hung zu anderen islamischen Frömmig­keitskulturen wie der Malāmatīya und Qalandarīya. Sodann befasst es sich mit verschie­denen sufischen Insti­tu­tionen wie dem Scheich­tum, dem Flicken­rock (Chirqa) und dem Ribāt, in dem zu seiner Zeit die meisten Sufis lebten, sowie mit der vierzig­tägigen Einkehr. Behandelt werden außer­dem verschie­dene Themen, die bei den Sufis umstritten waren, wie die Frage von Heirat und Ehe­losig­keit sowie die Zulässig­keit des Musik­hörens. Schließ­lich geht es in dem Werk um sufische Charakter­eigen­schaften und Verhaltens­regeln, die mys­tische Psycho­logie und die Maqām genannten Stationen auf dem mystischen Weg. Bis heute erfreut es sich weltweit in sufischen Kreisen großer Popularität und gilt als das Standard­handbuch für alle Fragen, die die sufischen Verhaltens­regeln und Pflichten von Scheichen und ihren Schülern betreffen. – Mehr erfahren …